Romanshorn
   
Stellungnahme zum rev. Rahmennutzungsplan Hafengebiet mit Antrag an die Behörden

Stellungnahme zum revidierten Rahmennutzungsplan

Die IG Hafen Romanshorn ist ein seit 2011 bestehender gemeinnütziger Verein, dessen statutarischer Zweck wie folgt definiert ist: “Der Verein bezweckt die Mitsprache bei der Ausgestaltung und Belebung des Hafenareals in Romanshorn. Er setzt sich dabei u.a. für eine öffentliche Nutzung als Erholungs- und Freizeitzone ein.“

Die vorliegende Stellungnahme beschränkt sich auf das Hafenareal, zu dem auch das Bahnhofsareal gehört. Sie erfolgt fristgerecht. Die Unterzeichnenden sind Mitglieder des Vereinsvorstandes. Die Stellungnahme ist nach Vorgabe des Fragebogens gegliedert und enthält eine Vorbemerkung.

Vorbemerkung

Auf ihrer Webseite zeigt die Stadt Romanshorn einen Plan aus dem „Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS)“. Dabei steht der Text: „Im kantonalen Richtplan wurden für Romanshorn zwei Bereiche als „besonders wertvoll“ festgelegt, nämlich das Gebiet „Hafen- / Schul- / Pestalozzi- / Bergli- / Bankstrasse“ sowie das „Schlossberggebiet“. Gemäss kantonalem Richtplan ist der Schutz erhaltenswerter Ortsbilder ein gesetzlicher Auftrag an die Gemeinden und das ISOS hat dabei den Charakter einer Grundlage.“

Der kantonale Richtplan ist für die Behörden verbindlich.

ISOS hält Folgendes fest:

  • „E 0.0.15 Bahnhofgebäude, Monumentalbau mit Arkaden und einst   zinnenbekrönten Flankentürmen, erb. 1855 … Erhaltungsziel A“ (Substanz)

 

  • Das Gebiet am Hafen, wo der Hotelbau geplant ist, wird mit Erhaltungsziel a (Freifläche) festgelegt.

 

  • Die ISOS Empfehlungen sagen: „Die charakteristischen Elemente der Hafen- und Bahnanlage dürfen keinesfalls verändert oder sogar abgebrochen werden, störende Neubauten sind zu vermeiden.“

 

Bemerkungen zum Rahmennutzungsplan

a) Die IG Hafen hält die Bestimmungen zur qualitativ hochwertigen Siedlungsentwicklung im Bereich Hafen- und Bahnanlage NICHT für zielführend.

Antrag Die Vorgaben von ISOS sind im Baureglement zu berücksichtigen.

Begründung Historisch schliesst die Bebauung auf der vom See abgewandten Seite der Neustrasse, Bank- und Hafenstrasse gegen die Bahnanlagen und den Hafen ab. Dieser Bereich liegt ja neu auch ganz in der Kernzone. Das Büro KCAP begründet die vorgeschlagenen Strukturen so an der Neustrasse. Folgerichtig müsste das auch gegen das Hafenbecken Nord an der Bank- und Verein ig-hafen-romanshorn kontakt@ig-hafen-romanshorn.ch Hafenstrasse 15b, 8590 Romanshorn

Hafenstrasse fortgesetzt werden. (siehe Begründung zu b) Seite 4)

b) Keine Bemerkung

c) Die IG Hafen beurteilt die Höhenmasse möglicher Gebäude und ihre räumliche Anordnung im Bereich Hafen- und Bahnanlage NICHT als zweckmässig.

Antrag

Wenn am Hafen das Erhaltungsziel a (Freifläche) nicht verfolgt werden soll, sind zumindest die heutigen Massvorschriften beizubehalten. Das Bahnhofsgebäude ist integral zu erhalten, und zwischen den Bahnhof- und Dienstgebäuden sind keine Hochbauten zu erlauben.

Begründung

Die Hafenzone soll neue Massvorschriften bekommen, die weit über die alten hinaus gehen:

Traufhöhe / Fassadenhöhe: 13.0 statt wie heute 7.50m,

Firsthöhe: keine statt wie heute 10.5m.

Es soll auch keine Ausnützungsbeschränkung geben. Die heutige Baumassenziffer 2.0 wird gestrichen. Diese Änderungen sind nicht verständlich. Die Gebäudestrukturen des GRP für das Güterschuppenareal sind mit den alten Massen realisierbar. Ausgenommen sind das Hotel und das „Kulturhaus“, die aber auch den neuen Massen nicht entsprechen würden.

Die vorgesehenen Änderungen verletzen die ISOS Empfehlung schwerwiegend. Danach dürfen die charakteristischen Elemente der Hafen- und Bahnanlage keinesfalls verändert oder abgebrochen werden, und störende Neubauten sind zu vermeiden.

d) Die IG Hafen beurteilt die Festlegungen im Schutzplan betreffend Hafenareal und Bahnhof als NICHT zweckmässig.

Antrag Das historisch wertvolle Bahnhofgebäude und das Dienstgebäude an der Bankstrasse müssen integral mit den Flügeln Nord und Süd im Schutzplan bleiben.

Begründung Der Abbruch des Nordflügels des Bahnhofgebäudes ist absolut nicht zulässig. Dieser Bau macht zusammen mit dem Postgebäude die wesentlichen historischen Elemente aus, die den einzig wirklich urbanen Platz von Romanshorn definieren. Die Dimensionen und Stellung von Bahnhof- und Dienstgebäude SBB müssen erhalten bleiben. Das Ensemble ist stimmig und lässt in den Gebäuden auch allfällige Umbauten für mehr publikumsbezogene Nutzungen zu. Die Planer haben sich mit der Struktur des Bahnhofgebäudes nicht befasst. Die Flügel Nord und Süd sind keine nachträglichen Anbauten, sondern schliessen den hafenseitig eingeschossigen Vorbau ab und haben eine mächtige Fassade zum Hafen, die auch mit der ersten Perronhalle von 1855 zu verstehen ist. Symmetrien sind für Bauten aus dem 19. Jahrhundert absolut wichtig. Verein ig-hafen-romanshorn kontakt@ig-hafen-romanshorn.ch Hafenstrasse 15b, 8590 Romanshorn

 

Fragen zum Gestaltungsrichtplan Innenstadt

a) Die IG Hafen erachtet die Festlegungen zur Belebung und Aufwertung, soweit sie das Hafen- und Bahnhofsareal betreffen, TEILWEISE als sinnvoll.

Anträge Die Festlegungen und der Plan im Richtplantext Seiten 1 und 2 unter Position 3 sind aufgrund der vorstehenden Kritik zu überarbeiten. Die Empfehlungen des ISOS sind einzuhalten, allfällige Abweichungen sind zu erläutern. Die bestehende Unterführung im Bahnhof ist im Gestaltungsrichtplan festzuhalten. Deren Verbesserung mit einem neuen Aufgang im Hafenbecken als Ersatz der heute im Wegprofil der Hafenmole stehenden Rampe und Treppe, sind als Ziel festzulegen. (Vorschläge dazu wurden unterbreitet). Die Festlegung „Gebiet 8: Bahnhof“ im Richtplantext Seite 6 ist ersatzlos zu streichen, weil dafür kein Bedarf besteht, beziehungsweise diese Massnahme die Empfehlung des ISOS missachtet. Ein Gestaltungsplan dürfte nicht allein ein unzulässiges Gebäude betreffen, sondern müsste den ganzen Bahnhofplatz mit Unterführung umfassen. Die Parkierung ausschliesslich auf eine geplante Parkierungsanlage „Schlossberg“ zu beschränken, ist zu einengend. Eine bestimmte Anzahl Parkplätze muss auch im Hafenareal zur Verfügung stehen und soll mit Neubauten zusammen erstellt werden (Hotel).

Begründung: In der „Städtebaulichen Konzeption Stadtkern“ Seite 23 des Büros KCAP wird der Bahnhofplatz weder bezeichnet noch irgendwie hervorgehoben, dasselbe in der „Städtebaulichen Konzeption Hafenbecken Nord“. Die bestehende Unterführung zum Hafen ist nicht aufgeführt oder eingezeichnet. Die Festlegung im Gebiet 8 verspricht eine neue Aussicht. Die heute vorhandene Aussicht würde dann aber gleich daneben mit einem viergeschossigen Neubau zugebaut. Neue hohe Baukörper in den Kontext der historischen Bahnhofgebäude einzufügen, verstellt die Hafensicht viel mehr als heute und widerspricht der Beurteilung nach ISOS. Die Geleise können hier nicht überquert werden. Hier steht der Zug nach Zürich in jeder Stunde für fast eine halbe Stunde am Hauptperron. Am gleichen Perron halten die Züge nach St. Gallen jeweils zur vollen Stunde. So ist für rund die Hälfte der Zeit die Aussicht ohnehin verdeckt. Die Achse Bahnhofstrasse hat ihre Bedeutung selbstredend durch den Bahnhof, wie in allen wichtigen Städten der Schweiz. Dass man diesem nun für eine auf einen Tunnelblick reduzierte „Aussicht“ einen Flügel amputieren will, ist absolut nicht verständlich. (Foto Aussicht heute: Die fotorealistische Darstellung im Bericht Seite 65 kann absolut nicht überzeugen.) Die Festlegung „Gebiet 17: Hafenpromenade“ im Richtplantext Seite 10 ist betreffend baulichem Strukturvorschlag zu begrüssen. Der bis 8-geschossige Bau am Westende steht aber im Gegensatz zur ISOS Empfehlung. Verein ig-hafen-romanshorn kontakt@ig-hafen-romanshorn.ch Hafenstrasse 15b, 8590 Romanshorn

 

b) Die IG Hafen erachtet die Festlegungen betreffend Stellung und Geschossigkeit der Bauten NICHT als richtig.

Anträge Auf die Festsetzung neuer Massvorschriften für die Hafenzone ist zu verzichten. Die Umgrenzung des Plangebiets über die Bahnlinie westlich soll zurück genommen werden, da kein direkter Zusammenhang besteht. Die Festlegung „Gebiet 18: Hafenstrasse“ im Richtplantext Seite 10 soll überarbeitet werden im Sinne der Überlegungen für „Gebiet 11: Neustrasse“. Auf die Gegebenheiten der Parzellierung ist einzugehen. Vor der Bearbeitung zukünftiger Gestaltungspläne im Hafenareal Gebiete 8, 17, 18 und 19 ist ein neues unabhängiges Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission einzuholen.

Begründung Nicht verständlich ist, dass das Baureglement in der Hafenzone wesentlich höhere Masse zulässt. Eine solche massive Änderung dieser Vorschriften für eine Zone, die gerade mal erst gut fünf Jahre alt ist, ist abzulehnen. Für den Ersatz bestehender Bauten im „Gebiet 18 Hafenstrasse“ ist kein Bedarf gegeben. Die von Büro KCAP vorgeschlagenen Bautypen an der Bank- und Hafenstrasse folgen nicht derselben Analyse wie in „Gebiet 11 Neustrasse“. Das Bild des Hafenareals wurde durch die Häuserfronten geprägt. Das kann an den Flugaufnahmen von 1924 und 1954 im Bericht festgestellt werden. Die Gebäude sind mit den Fassaden an die Strasse gestellt und nicht abgestuft gegen den Hang zurückversetzt. Gegen Hafen und See auf der anderen Strassenseite waren und sind nur die Infrastrukturbauten von Hafen- und Bahnanlagen vorhanden. Die monumentale Stellung des historisch bedeutenden Bahnhofgebäudes muss unbedingt respektiert werden, ebenso die Stellung des Dienstgebäudes. Die Festlegung „Gebiet 19: Gintzburger“ im Richtplantext Seite 11 schlägt einen „Turmbau“ am östlichen Ende vor. Dies steht im Widerspruch zur ISOS Empfehlung für das Bahn- und Hafenareal. Verein ig-hafen-romanshorn kontakt@ig-hafen-romanshorn.ch Hafenstrasse 15b, 8590 Romanshorn

 

c) Abgesehen vom baulichen Strukturvorschlag „Gebiet 17: Hafenpromenade“ unterstützt die IG Hafen die Massnahmen zur Attraktivierung der Innenstadt im Bereich Hafen- und Bahnhofsareal NICHT.

Antrag Der Auftrag an die Gemeinde, der dem kantonalen Richtplan entspringt, sei prinzipiell, insbesondere auch im Bereich Hafen- und Bahnhofsareal, wahrzunehmen.

Begründung

Es ist stossend, dass die neue Planung im Bereich Hafen- und Bahnhofsareal praktisch vollständig über die Vorgaben von ISOS hinweggeht, gilt doch gerade dieses Areal als besonders wertvoll und als ein Ortsbild von nationaler Bedeutung. Der Auftrag, welcher aus dem kantonalen Richtplan an die Gemeinde ergeht, wird nicht wahrgenommen. Das ist für die IG Hafen nicht tolerierbar.

Romanshorn, den 8. März 2018

Mitglieder des Vorstands IG Hafen Romanshorn 

Kopie Departement für Bau und Umwelt, 8510 Frauenfeld